Kooperation von NABU Horlofftal, ASV Wölfersheim, Stadt Hungen und Naturschutztaucher:innen setzt erstes sichtbares Zeichen für mehr Seenschutz
Mitglieder des NABU Horlofftal, des Angelsportvereins (ASV) Wölfersheim und der NABU-Landesarbeitsgemeinschaft “Tauchen für den Naturschutz Hessen” haben im Barbarasee bei Wölfersheim zwei sogenannte Exclosures eingebracht. Die jeweils etwa 2 m² großen, stabilen Schutzgehäuse auf dem Seegrund sollen empfindliche Bereiche der Unterwasservegetation vor wühlenden Fischen und eingewanderten Krebsen schützen. Die Stadt Hungen hat die Maßnahme als Eigentümerin des Gewässers genehmigt. Damit beginnt ein gemeinsamer Praxistest, der zeigen soll, wie sich die ökologische Situation des Sees Schritt für Schritt verbessern lässt.
Die Maßnahme ist Teil eines größeren, gemeinsam abgestimmten Ansatzes. Ziel ist nicht ein einmaliger Eingriff, sondern ein längerfristiges Monitoring mit konkreten Verbesserungen für den See. Die beteiligten Partner:innen wollen belastbare Daten erheben, Entwicklungen unter Wasser dokumentieren und daraus Maßnahmen ableiten, die naturschutzfachlich sinnvoll und vor Ort umsetzbar sind. Das Projekt knüpft damit an den Citizen-Science-Ansatz von “Tauchen für den Naturschutz” an: Ausgebildete Taucher:innen erfassen den Zustand von Gewässern unter Wasser, dokumentieren Vegetation, Sichtverhältnisse und Belastungen und tragen so dazu bei, Probleme frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Warum Exclosures wichtig sind
Exclosures – oft auch anschaulich als “Hasenkäfige” bezeichnet – sind Drahtkonstruktionen, die bestimmte Tiere von kleinen Testflächen ausschließen. Im Barbarasee wurden dafür zwei jeweils etwa 2 m² große Schutzbereiche eingerichtet. So soll überprüft werden, ob sich Wasserpflanzen dort besser entwickeln, wenn sie vor Sedimentstörungen und Fraß geschützt sind. Gerade diese Unterwasservegetation ist für einen gesunden See von zentraler Bedeutung: Sie bietet Lebensraum, stabilisiert Sedimente, verbessert die Wasserqualität und schafft bessere Bedingungen für Fische, Wasservögel und viele wirbellose Arten. Der Vergleich zwischen geschützten und ungeschützten Flächen liefert zudem wichtige Hinweise für das weitere Management des Sees.

Gemeinsam handeln statt nur Probleme zu beschreiben
Anika Denniger vom NABU Horlofftal betont, dass der Barbarasee nur im Schulterschluss besser werden kann: Naturschutz wirke dann besonders gut, wenn lokale Akteur:innen gemeinsam Verantwortung übernehmen und konkrete Schritte umsetzen. Stefan Bachmann vom ASV Wölfersheim unterstreicht, dass der Verein als Pächter des Gewässers eine besondere Verantwortung trägt und ihm der Schutz des Barbarasees sehr am Herzen liegt. Gerade deshalb wolle sich der ASV aktiv in Monitoring und Verbesserungsmaßnahmen einbringen. Das gemeinsame Monitoring helfe, Entwicklungen im See besser zu verstehen und auf dieser Grundlage sachgerechte Maßnahmen zu treffen. Für alle Beteiligten ist entscheidend, dass nicht nur über Belastungen gesprochen wird, sondern dass sichtbar etwas für den See getan wird.
Rainer Stoodt, Umweltreferent des Hessischen Tauchsportverbands (HTSV) und für die Kooperation “Tauchen für den Naturschutz” von HTSV und NABU aktiv, sagt: “Wir tun hier ganz praktisch etwas dafür, dass es dem See besser geht. Wenn sich Unterwasserpflanzen wieder stabil entwickeln, profitieren Wasserqualität, Fische und Vögel gleichermaßen. Genau darum geht es: gemeinsam hinschauen, gemeinsam messen und gemeinsam verbessern.”
Rücksicht auf Brutvögel und sensible Uferbereiche
Bei allen weiteren Schritten spielt die Rücksicht auf die Vogelwelt eine zentrale Rolle. Thomas Lauer, Avifaunaexperte der NABU-LAG, weist darauf hin, dass Maßnahmen am Barbarasee nur so umgesetzt werden dürfen, dass brütende Vögel und sensible Uferzonen nicht beeinträchtigt werden. Deshalb sind weitere Exclosures im südlichen Bereich derzeit nicht vorgesehen; dort können zusätzliche Schutzgehäuse erst im Herbst eingebracht werden, wenn die Brutzeit beendet ist. Der Schutz des Sees bedeutet damit immer auch, Nutzung, Naturschutz und jahreszeitliche Empfindlichkeiten sorgfältig aufeinander abzustimmen.
Der nächste Schritt: Monitoring und weitere Verbesserungen
Die nun eingebrachten Exclosures sind ein Anfang. In den kommenden Monaten sollen ihre Wirkung und die Entwicklung der Unterwasserpflanzen regelmäßig dokumentiert werden. Darüber hinaus stehen weitere Bausteine im Raum, etwa Verbesserungen im Bereich der Zuflüsse, die Förderung strukturreicher Flachwasserzonen sowie abgestimmte Maßnahmen im fischereilichen Management. Welche Schritte sinnvoll sind, soll auf Grundlage der gemeinsamen Beobachtungen und Fachbewertungen entschieden werden. Der gemeinsame Anspruch aller Beteiligten ist klar: Der Barbarasee soll ökologisch stabiler, artenreicher und widerstandsfähiger werden.
Hintergrund: Der Barbarasee
Der Barbarasee, auch Sachsensee genannt, liegt innerhalb des EU-Vogelschutzgebietes “Wetterau”. Der See weist Anzeichen ökologischer Beeinträchtigungen auf, darunter eingeschränkten Makrophytenbewuchs, Sedimentaufwirbelungen und Belastungen aus dem südlichen Zuflussbereich. Vor diesem Hintergrund arbeiten Naturschutz, Angelfischerei, Fachleute und Kommune an einem abgestimmten Vorgehen, das ökologisch wirksam und zugleich praxistauglich ist.
Kontakt / Weitere Informationen:
Rainer Stoodt – Umweltreferent des Hessischen Tauchsportverbands (HTSV) / Kooperation “Tauchen für den Naturschutz” von HTSV und NABU
NABU Horlofftal | ASV Wölfersheim
www.naturschutztauchen.org
Fotos: Rainer Stoodt und Dr. Anika Denninger
Text: Rainer Stoodt

